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Aktuelles aus dem Medizinrecht

  • 28.01.2020 | Müssen MFA regelmäßig Erste-Hilfe-Kurse besuchen?
  • Medizinische Fachangestellte (MFA)* sind oft die tragenden Säulen einer jeden Arztpraxis und mit dem Praxisalltag, dem Wohl und Wehe der Patienten und mit den Behandlungsabläu-fen sowie mit den Vorlieben ihrer Chefs stets gut vertraut. In diesem Sinne sind MFA für or-ganisatorische, logistische und vorbereitende Tätigkeiten im Zusammenhang mit der ärztli-chen Behandlung der Patienten zuständig. Ausweislich der Ausbildungsverordnung für MFA gehört insbesondere aber auch das „Handeln in Not- und Zwischenfällen“ zu den Aufgaben der MFA. Doch welche fachlichen Qualifikationen müssen MFA dafür mitbringen? Wie oft und in welchem Umfang müssen Fähigkeiten und Kenntnisse zu „Erste-Hilfe“- und Notfall-maßnahmen bestehen, erneuert bzw. aufgefrischt werden? Und wer ist eigentlich dafür ver-antwortlich, dass die MFA entsprechende Fortbildungen wahrnehmen?

    Erste-Hilfe-Maßnahmen in der Abschlussprüfung

    Die Erlangung der Kenntnisse von Erste-Hilfe-Maßnahmen ist Teil der Ausbildung von MFA. Dies ergibt sich aus der Ausbildungsverordnung für MFA, die in § 4 Nr. 10 als Gegenstand der Berufsausbildung insbesondere das „Handeln bei Not- und Zwischenfällen“ nennt. In der Verordnung ist darüber hinaus in § 9 Abs. 2 Nr. 2 festgelegt, dass die Auszubildenden im Rahmen der Abschlussprüfung nachweisen sollen, dass sie Erste-Hilfe-Maßnahmen an Patienten durchführen können.


    Berufsrechtliche Verpflichtung der MFA zur Fortbildung

    In der Berufsordnung für MFA ist geregelt, dass alle MFA selbst dazu verpflichtet sind, sich regelmäßig fort- und weiterzubilden sowie die Qualität ihrer Arbeit dadurch sicherzustellen, dass sie ihre fachlichen und sozialkommunikativen Kompetenzen stetig aktualisieren. Dazu gehört es auch, die in der Ausbildung erlernten Kenntnisse und Fähigkeiten zu Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Bedarf wiederaufzufrischen. Denn ausweislich der MFA-Berufsordnung gehört insbesondere das Tätigwerden bei Notfällen zu den fachlichen Kompetenzen der MFA.


    Eine klar definierte Vorgabe, wie oft eine Fortbildung o.ä. wahrgenommen werden muss, gibt es nicht. Jedenfalls hängt dies aber von den Aufgaben der MFA im Praxisalltag ab. Wer ohnehin regelmäßig mit Tätigkeiten im Bereich Erstversorgung betraut ist, wird nicht so häufig eine Auffrischung benötigen wie jemand, der vorwiegend den Empfang und die Verwaltung der Patienten betreut. Darüber hinaus ist natürlich auch die Selbsteinschätzung der MFA maßgeblich. Sie selbst müssen einschätzen, ob sie (noch) in der Lage sind, bei Notfällen adäquat einzugreifen und zu helfen. Sollte dies nicht der Fall sein, sind sie berufsrechtlich verpflichtet, ihre Kenntnisse wieder aufzufrischen.


    Überprüfung der Fähigkeiten durch den Arzt

    Für jeden Arzt, der MFA mit abgeschlossener Ausbildung einstellt, ist gewährleistet, dass deren Fähigkeiten im Umgang mit Notfallsituationen und die Umsetzung von Erste-Hilfe-Maßnahmen im Rahmen der Abschlussprüfung überprüft wurden.


    Doch darauf allein kann und darf sich kein Arzt verlassen. Vielmehr sollte sich dieser regelmäßig von den Fähigkeiten seiner Angestellten überzeugen. Denn im Rahmen des sog. Organisationsverschuldens ist der Arzt nicht nur für seine eigene ärztliche Tätigkeit, sondern auch für das Handeln seiner ärztlichen und nichtärztlichen Angestellten verantwortlich – und haftbar. Das bedeutet, dass sich der Arzt stets vergewissern muss, ob die Aufgaben, die er z.B. an seine MFA delegiert, von diesen auch ordnungsgemäß durchgeführt werden. Das gilt auch für ein Tätigwerden in Notfällen, wenn es z.B. um die akute Erstversorgung eines Patienten mit Schwächeanfall im Wartezimmer geht. Delegiert der Arzt in diesem Moment die Versorgung des Patienten an MFA, muss er sich sicher sein, dass diese auch wissen, was zu tun ist.


    Für den Arzt bedeutet das, dass er im eigenen Interesse die Kenntnisse und Fähigkeiten seiner MFA regelmäßig überprüfen sollte. Die Notwendigkeit einer Fortbildung kann am besten im Gespräch mit den MFA selbst festgestellt werden. Sollte die Notwendigkeit zur Auffrischung bejaht werden, eignen sich als Fortbildungsmaßnahme kurze individuelle Übungen mit einzelnen MFA; in größeren Praxen und Kliniken können entsprechende Übungen auch in der Gruppe durchgeführt werden. Alternativ kann der Arzt seinen MFA auch die Teilnahme an externen Erste-Hilfe-Kursen anbieten.


    Zusammenfassung

    Zum Berufsbild der MFA gehört auch das Tätigwerden in Notfallsituationen und die Durchführung von Erste-Hilfe-Maßnahmen. Die Aktualisierung der Kenntnisse und Fähigkeiten im Bereich „Erste-Hilfe“ obliegt berufsrechtlich den MFA selbst. Doch auch der Arzt als Arbeitgeber hat ein Interesse daran, dass die MFA ihre Kenntnisse und Fähigkeiten auffrischen und aktualisieren, wenn er an diese etwaige Erste-Hilfe-Maßnahmen delegieren möchte.


    Eine Überprüfung der Kenntnisse und Fähigkeiten der MFA muss in regelmäßigen Abständen erfolgen. Das Auffrischen kann durch individuelle Übungen mit den MFA alleine, in Gestalt einer gemeinsam organisierten Betriebsübung oder durch die Teilnahme an einem externen „Erste-Hilfe-Kurs“ erfolgen. Entscheidend ist allein, dass sich die MFA jederzeit dazu in der Lage sehen, Erste-Hilfe-Maßnahmen im Notfall durchzuführen.


    Köln im Dezember 2019


    *Alle in diesem Text verwendeten Berufs-, Funktions- und Personenbezeichnungen beziehen sich unabhängig von der benutzten Form ausschließlich aus Gründen der Lesbarkeit auf Personen jeden Geschlechts (männlich, weiblich, divers)

 
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