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Aktuelles aus dem Medizinrecht

  • 12.01.2021 | Weg mit dem Tattoo!
  • Das Verzieren und Individualisieren des eigenen Körpers mit Tattoos und Piercings liegt voll und ganz im Trend. Während dieser Körperschmuck vor einiger Zeit noch verpönt war, ist er heute weit verbreitet und angesagter denn je. Insbesondere die bleibenden Bilder auf der Haut erfreuen sich einer zunehmend großen Beliebtheit. So ist aktuellen Schätzungen zufolge jeder fünfte Deutsche* tätowiert, unter den 20- bis 29-Jährigen sogar fast jeder zweite. In den rund 8.000 legalen Tattoo-Studios werden deutschlandweit jährlich bis zu 2 Millionen Tätowierun-gen gestochen.
    Einige Tätowierungen machen seinem Träger als gelungene zeitlose Körperkunst ein Leben lang Freude. Doch eine nicht unerhebliche Anzahl der Körperbilder wird über kurz oder lang bereut. Was als Moment für die Ewigkeit auf der Haut festgehalten werden sollte, erscheint Jahre später nicht mehr zeitgemäß oder verblasst zu einem Motiv, das einfach nicht mehr gefallen will. In konservativen Branchen stehen gewisse Tätowierungen mitunter sogar der Karriereplanung im Weg.

    Tattooentfernung ab 2021 nur durch Ärzte

    Das Verzieren und Individualisieren des eigenen Körpers mit Tattoos und Piercings liegt voll und ganz im Trend. Während dieser Körperschmuck vor einiger Zeit noch verpönt war, ist er heute weit verbreitet und angesagter denn je. Insbesondere die bleibenden Bilder auf der Haut erfreuen sich einer zunehmend großen Beliebtheit. So ist aktuellen Schätzungen zufolge jeder fünfte Deutsche* tätowiert, unter den 20- bis 29-Jährigen sogar fast jeder zweite. In den rund 8.000 legalen Tattoo-Studios werden deutschlandweit jährlich bis zu 2 Millionen Tätowierungen gestochen.

    Einige Tätowierungen machen seinem Träger als gelungene zeitlose Körperkunst ein Leben lang Freude. Doch eine nicht unerhebliche Anzahl der Körperbilder wird über kurz oder lang bereut. Was als Moment für die Ewigkeit auf der Haut festgehalten werden sollte, erscheint Jahre später nicht mehr zeitgemäß oder verblasst zu einem Motiv, das einfach nicht mehr gefallen will. In konservativen Branchen stehen gewisse Tätowierungen mitunter sogar der Karriereplanung im Weg.

    Tattoo-Entfernung mittels spezieller Laserbehandlung

    Erfreulicherweise ist das pigmentierte Bild auf der Haut mittlerweile keineswegs mehr so irreversibel wie es früher einmal war. Dabei müssen sich die betroffenen Personen nicht nur mit einem sog. Cover-Up, also einem Überstechen des ursprünglichen Motivs, zufriedengeben. Eine spezielle Laserbehandlung ermöglicht es vielmehr, die in die Haut injizierten Farbpigmente der Tätowierung zu zerstören und so das Tattoo nach und nach zu entfernen.

    Angesichts dessen spielt seit einigen Jahren in der Tattoo-Branche die Entfernung von Tätowierungen mittels Laser eine immer größere Rolle. Schätzungen zufolge sollen in Deutschland jährlich etwa 1,2 Millionen Menschen eine Laserbehandlung zur Tattoo-Entfernung in Anspruch nehmen. Wohl auch deshalb haben sich einige Unternehmen auf die Entfernung von Tätowierungen und auch Permanent Make-up spezialisiert. Die Laserbehandlungen werden dort in mehreren Sitzungen durchgeführt und kosten insgesamt schnell über 1000 Euro.

    Diskussion wegen gesundheitlicher Risiken

    Doch auch wenn die Tattoo-Entfernung in der Regel aus rein kosmetischen Gründen erfolgt, birgt die Anwendung des Lasers auf der Haut nicht zu unterschätzende gesundheitliche Risiken. Im Rahmen der Behandlung werden die in der Haut verkapselten Farbpigmente durch den eingesetzten Laser erhitzt und aufgesprengt. Die zerkleinerten Farbpigmente können dann im Körper abtransportiert werden. Durch den Einsatz des Lasers kann es bei der Behandlung zu Verbrennungen, Pigmentveränderungen, Entzündungen und Narbenbildungen kommen – auch aufgrund eines fehlerhaften Einsatzes des Lasers.

    Bislang konnte jedes private Kosmetikstudio die Entfernung von Tätowierungen und Permanent Make-Up mittels Laser durch entsprechend geschultes Personal als Leistung anbieten. Angesichts der bestehenden gesundheitlichen Risiken wurde in den vergangenen Jahren jedoch die Diskussion angestoßen, die Laserbehandlungen in ärztliche Hand und Expertise zu legen.

    Ab 2021: Tattoo-Entfernung unter Arztvorbehalt

    Vor zwei Jahren wurde schließlich das Strahlenschutzrecht novelliert und die Verordnung zum Schutz vor schädlichen Wirkungen nicht ionisierender Strahlung bei der Anwendung am Menschen (NiSV) geändert. § 5 dieser Verordnung sieht in der aktuellen Fassung nun vor:

    „Ablative Laseranwendungen oder Anwendungen, bei denen die Integrität der Epidermis als Schutzbarriere verletzt wird, die Behandlung von Gefäßveränderungen und von pigmentierten Hautveränderungen, die Entfernung von Tätowierungen oder Permanent Make-Up sowie Anwendungen mit optischer Strahlung, deren Auswirkungen nicht auf die Haut und ihre Anhangsgebilde beschränkt sind, wie die Fettgewebereduktion, dürfen nur von approbierten Ärztinnen und Ärzten mit entsprechender ärztlicher Weiterbildung oder Fortbildung durchgeführt werden.“

    Im Rahmen der Beratungen zur NiSV war zunächst vorgeschlagen worden, die Erlaubnis zur Durchführung der genannten Laseranwendungen auf Dermatologen und plastische Chirurgen zu beschränken. Die Bundesärztekammer äußerte sich dieser Beschränkung kritisch gegenüber und regte an, die genannten Leistungen nicht auf bestimmte Facharztgruppen zu beschränken, sondern diese allen approbierten Ärzten mit entsprechender Weiterbildung oder Fortbildung möglich zu machen. Dieser Anregung ist der Verordnungsgeber gefolgt. Die Regelung wurde bereits 2018 beschlossen, gilt jedoch erst ab dem 31.12.2020.

    Die Entfernung von Tätowierungen mittels Laserbehandlung unterliegt also ab Januar 2021 ausdrücklich einem Arztvorbehalt ohne Beschränkung auf eine bestimmte Facharztbezeichnung. Gleiches gilt für die Entfernung von Permanent Make-Up. Jeder approbierte Arzt kann sich die für die Laserbehandlung notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten durch entsprechende Weiterbildung oder Fortbildung aneignen und anschließend die Behandlung anbieten.

    Zusammenfassung und Fazit

    Ab Januar 2021 ist es nur noch Ärzten mit entsprechender Weiterbildung oder Fortbildung erlaubt, Tattoos und Permanent Make-Up mittels Laser zu entfernen. Die Behandlung steht dabei nicht nur Dermatologen und plastischen Chirurgen offen, sondern kann von allen approbierten Ärzten mit entsprechender Weiterbildung oder Fortbildung angeboten und durchgeführt werden. Nicht-Ärzte dürfen die Laserbehandlung ab diesem Zeitpunkt weder bewerben noch durchführen. Wer dem zuwiderhandelt, muss sich strafrechtlich wegen unerlaubter Ausübung der Heilkunde verantworten und mit der Einleitung wettbewerbsrechtlicher Schritte durch Dritte rechnen.

    Die Novellierung des Strahlenschutzrechts schränkt damit das Tätigkeitsspektrum vieler Tattoo- und Kosmetikstudios weiter ein. Erst 2016 wurde in einem Musterverfahren des Deutschen Berufsverbandes der HNO-Ärzte erfolgreich ein Studioinhaber abgemahnt, der – ohne eigene Heilkundeerlaubnis – Ohrlochrekonstruktionen für durch sog. Tunnel übermäßig gedehnte Ohrläppchen angeboten hatte. Das Landgericht Berlin hatte damals schon klarstellend darauf hingewiesen, dass Behandlungen, die aufgrund ihres grundsätzlichen Schädigungspotentials ärztliche bzw. medizinische Fachkenntnisse erfordern, als Ausübung der Heilkunde zu qualifizieren und damit allein Ärzten vorbehalten sind. Die geänderte NiSV folgt diesem Grundsatz und legt nun auch die Entfernung von Tattoos und Permanent Make-Up mittels Laser ausschließlich in ärztliche Hände.


    * In diesem Beitrag wird ausschließlich aus Gründen der besseren Lesbarkeit die männliche Form verwendet; sie bezieht sich auf Personen jeden Geschlechts.

    Köln im Dezember 2020

    LHuebner@kanzlei-wbk.de

 
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